Gehalt, Arbeitszeit, Benefits: Was Mitarbeitende wirklich hält

Gehalt, Arbeitszeit und Benefits: Was Mitarbeiterinnen in der Zahnarztpraxis wirklich hält

Eine übertarifliche Bezahlung, ein Tankgutschein, kostenlose Getränke und eine betriebliche Altersvorsorge. Viele Zahnarztpraxen investieren in attraktive Arbeitsbedingungen und zusätzliche Leistungen, um ihre Mitarbeiter langfristig zu halten. Trotzdem gibt es Unzufriedenheit im Team. Der Dienstplan sorgt für Diskussionen, Überstunden häufen sich und manche Mitarbeiter wünschen sich mehr Flexibilität. Doch woran liegt das, wenn die Praxis aus Sicht der Leitung bereits viel bietet?

In der zweiten Folge der achten Staffel von „Das auch noch?!“, dem Dentalwissen-Podcast, beschäftigt sich Katja Effertz, Senior Expert bei der OPTI Health Consulting GmbH, mit genau dieser Frage. Dabei geht es um faire Gehälter, verlässliche Arbeitszeiten und Benefits, die tatsächlich einen Mehrwert bieten. Denn Mitarbeiterbindung hängt nicht allein davon ab, wie viel eine Praxis investiert, sondern auch davon, ob ihre Angebote zu den Bedürfnissen des Teams passen.

Faire Gehälter brauchen nachvollziehbare Kriterien

Eine angemessene Vergütung ist eine wichtige Voraussetzung für langfristige Mitarbeiterbindung. Erfahrene ZFA, die selbstständig arbeiten, Verantwortung übernehmen und neue Kollegen einarbeiten, erwarten zu Recht eine Bezahlung, die ihrer Leistung entspricht. Gleiches gilt für ZMP, die eigenständig in der Prophylaxe tätig sind, oder ZMV, die komplexe Abrechnungsfälle bearbeiten und Prozesse optimieren.

Dabei spielt neben der absoluten Gehaltshöhe vor allem die wahrgenommene Fairness eine Rolle. Wenn zwei Mitarbeiter vergleichbare Aufgaben übernehmen, ähnlich viel Verantwortung tragen und dennoch deutlich unterschiedlich verdienen, kann das zu Unzufriedenheit führen. Selbst dann, wenn beide ihr Gehalt zuvor als angemessen empfunden haben.

Katja Effertz betont deshalb, wie wichtig nachvollziehbare Vergütungsentscheidungen sind. Qualifikation, Berufserfahrung, übernommene Verantwortung und individuelle Leistung können Unterschiede rechtfertigen. Entscheidend ist jedoch, dass eine Praxis diese Unterschiede sachlich erklären kann.

„Natürlich bedeutet das nicht, dass alle Mitarbeiter automatisch gleich viel verdienen. Aber Unterschiede brauchen einfach eine sachliche Grundlage.“

Für Praxisinhaber lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die bestehende Gehaltsstruktur. Welche Kriterien bestimmen die Vergütung? Gibt es klare Entwicklungsmöglichkeiten? Wissen die Mitarbeiter, welche zusätzlichen Qualifikationen oder Aufgaben sich auf ihr Gehalt auswirken können?

Auch tarifliche Vergütungsregelungen können bei der Orientierung helfen. Für ZFA bestehen in bestimmten Tarifgebieten entsprechende Regelungen, die außerhalb einer Tarifbindung ebenfalls als Vergleichsmaßstab dienen können. Dabei müssen die jeweils geltenden rechtlichen und arbeitsvertraglichen Vorgaben berücksichtigt werden.

Eine transparente Gehaltsstruktur schafft nicht automatisch Zufriedenheit. Sie kann jedoch verhindern, dass Unterschiede als willkürlich wahrgenommen werden.

Verlässliche Arbeitszeiten sind ein wichtiger Bindungsfaktor

Neben dem Gehalt hat die Gestaltung der Arbeitszeit für viele Beschäftigte erheblich an Bedeutung gewonnen. Dabei geht es nicht ausschließlich um die Anzahl der Wochenstunden. Ebenso wichtig sind verlässliche Dienstpläne, planbare Freizeit, eingehaltene Pausen und ein fairer Umgang mit Überstunden.

Gerade in Zahnarztpraxen ist die Arbeitszeitgestaltung anspruchsvoll. Behandlungszeiten müssen abgedeckt sein, Assistenz und Anmeldung müssen funktionieren und auch die Prophylaxe benötigt feste Zeitfenster. Trotzdem lassen sich innerhalb dieser Anforderungen häufig individuelle Lösungen finden.

Eine Mitarbeiterin mit kleinen Kindern, die regelmäßig Schwierigkeiten hat, die Betreuung während der Spätdienste zu organisieren, benötigt unter Umständen keine Gehaltserhöhung, sondern eine andere Verteilung ihrer Arbeitszeiten. Frühdienste, feste freie Nachmittage oder angepasste Schichtmodelle können dazu beitragen, die beruflichen Anforderungen besser mit dem Privatleben zu vereinbaren.

„Denn Flexibilität bedeutet nicht, dass jeder arbeitet, er möchte. Flexibilität bedeutet, vorhandene Spielräume sinnvoll zu nutzen.“

Entscheidend ist dabei die Verlässlichkeit. Ein Dienstplan, der ständig kurzfristig geändert wird, erschwert die private Organisation und verursacht zusätzlichen Stress. Auch regelmäßig anfallende Überstunden können zum Problem werden, wenn sie nicht transparent erfasst und ausgeglichen werden.

Katja Effertz empfiehlt deshalb einen Dienstplancheck. Praxisinhaber sollten sich ansehen, wie häufig in den vergangenen Wochen kurzfristige Änderungen notwendig waren, welche Mitarbeiter besonders oft eingesprungen sind und wie viele Überstunden tatsächlich angefallen sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Pausen. Bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden schreibt das Arbeitszeitgesetz grundsätzlich mindestens 30 Minuten Ruhepause vor, bei mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Diese Pausen müssen tatsächlich genommen werden können. Ein kurzer Kaffee zwischen zwei Patienten ersetzt keine gesetzliche Ruhepause.

Auch scheinbar kleine Zeitüberschreitungen verdienen Aufmerksamkeit. Wenn Mitarbeiter regelmäßig zehn oder fünfzehn Minuten länger bleiben, um Behandlungszimmer vorzubereiten, Dokumentationen abzuschließen oder aufzuräumen, summiert sich diese zusätzliche Arbeitszeit. Fehlen klare Regeln zur Erfassung und zum Ausgleich, kann schnell das Gefühl entstehen, dass die eigene Zeit als selbstverständlich angesehen wird.

Verlässliche Arbeitszeiten und transparente Regelungen sind deshalb weit mehr als organisatorische Fragen. Sie beeinflussen unmittelbar, wie fair und planbar Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz erleben.

Benefits müssen zum Team passen und können schlechte Arbeitsbedingungen nicht ausgleichen

Jobrad, Tankgutschein, Fitnessstudio, zusätzliche Urlaubstage, Fortbildungsbudget oder betriebliche Altersvorsorge: Die Liste möglicher Benefits ist lang. In vielen Stellenanzeigen gehören Zusatzleistungen inzwischen zum festen Bestandteil des Arbeitgeberangebots.

Doch nicht jeder Benefit hat für jeden Mitarbeiter denselben Wert. Ein Fitnessstudiozuschuss bringt wenig, wenn ein Großteil des Teams das Angebot nicht nutzt. Ein Tankgutschein ist für Mitarbeiter, die mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen, unter Umständen weniger interessant als andere Leistungen.

„Ein Benefit ist nicht automatisch wertvoll nur weil er Geld kostet. Entscheidend ist, ob er zum Bedarf passt.“

Statt zusätzliche Leistungen nach den Vorstellungen der Praxisleitung auszuwählen, empfiehlt Katja Effertz eine kurze anonyme Befragung. Mitarbeiter können beispielsweise aus fünf Angeboten ihre drei Favoriten auswählen. Zur Wahl stehen könnten Mobilitätszuschüsse, Gesundheitsangebote, zusätzliche freie Zeit, Fortbildungsbudgets oder Unterstützung bei der Altersvorsorge.

Eine solche Befragung liefert konkrete Hinweise darauf, welche Angebote im Team tatsächlich gefragt sind. Gleichzeitig sollte berücksichtigt werden, dass sich individuelle Bedürfnisse im Laufe der Zeit verändern.

Eine junge ZFA, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen hat, interessiert sich unter Umständen besonders für fachliche Entwicklungsmöglichkeiten. Eine Mitarbeiterin mit Kindern legt möglicherweise größeren Wert auf einen verlässlichen Dienstplan. Für eine langjährige Kollegin kann die zusätzliche Altersvorsorge eine wichtige Rolle spielen. a

Diese Beispiele zeigen unterschiedliche Lebenssituationen, sollten aber nicht zu pauschalen Annahmen führen. Nicht alle jungen Mitarbeiter möchten Karriere machen und nicht alle Eltern benötigen dieselben Arbeitszeitmodelle. Entscheidend ist deshalb das persönliche Gespräch.

Katja Effertz empfiehlt, die individuellen Arbeitsbedingungen mindestens einmal jährlich gezielt zu besprechen. Welche Angebote werden genutzt? Was hat sich verändert? Welche Wünsche bestehen inzwischen? Und wo sieht der einzelne Mitarbeiter Verbesserungsbedarf?

Dabei darf ein zentraler Punkt nicht übersehen werden: Zusatzleistungen können schlechte Arbeitsbedingungen nicht kompensieren. Eine Praxis mit attraktiven Benefits, aber ständig wechselnden Dienstplänen, ausfallenden Pausen und dauerhaft hoher Arbeitsbelastung wird ihre Mitarbeiter allein mit Gutscheinen oder Team-Events kaum langfristig zufriedenstellen.

„Zusatzleistungen sind eine Ergänzung. Sie ersetzen keine vernünftigen Arbeitsbedingungen.“

Deshalb empfiehlt Katja Effertz eine klare Reihenfolge: Erst die Basis, dann die Extras. Zur Basis gehören faire Gehälter, verlässliche Arbeitszeiten, eingehaltene Pausen, transparente Überstundenregelungen und eine langfristig bewältigbare Arbeitsbelastung.

Erst wenn diese Voraussetzungen stimmen, können zusätzliche Benefits ihren eigentlichen Nutzen entfalten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Praxis große finanzielle Mittel investieren muss. Eine bessere Dienstplanung, nachvollziehbare Gehaltsentscheidungen oder klare Überstundenregelungen können für Mitarbeiter wertvoller sein als eine weitere Zusatzleistung.

Für den Einstieg empfiehlt Katja Effertz einen Arbeitsbedingungen-Check mit vier Schwerpunkten: die Vergütungsstruktur prüfen, die Dienstplanung analysieren, bestehende Benefits hinterfragen und mit Mitarbeitern über ihre individuellen Bedürfnisse sprechen.

Die wichtigste Erkenntnis der Folge fasst sie so zusammen: „Ein gutes Gehalt sorgt dafür, dass sich Arbeit finanziell lohnt. Gute Arbeitsbedingungen sorgen dafür, dass Menschen gerne bleiben.“

In der nächsten Folge von „Das auch noch?!“ geht es um die Zusammenarbeit innerhalb der Zahnarztpraxis. Im Mittelpunkt steht die Frage, woran man ein echtes Team erkennt und warum gemeinsame Ziele für ein funktionierendes Miteinander entscheidend sind.

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