Selbstführung und Wahrhaftigkeit | Update mit Boris Grundl

Unternehmerische Weiterentwicklung beginnt im Kopf: Boris Grundl über Führung, Wahrhaftigkeit und den Mut zur Veränderung

Vor vier Jahren war Boris Grundl bereits zu Gast im Praxisflüsterer Podcast. Damals stand vor allem seine außergewöhnliche Lebensgeschichte im Mittelpunkt – vom Leistungssportler über den folgenschweren Unfall bis hin zum Aufbau eines der bekanntesten Institute für Führung und Persönlichkeitsentwicklung im deutschsprachigen Raum.

In der aktuellen Update-Folge knüpft Christian Henrici genau dort an, richtet den Blick aber nach vorne. Gemeinsam sprechen sie darüber, was sich in den vergangenen Jahren verändert hat, welche Erkenntnisse Boris Grundl heute beschäftigen und warum persönliche Entwicklung nie abgeschlossen ist.

Dabei geht es erstaunlich wenig um klassische Führungsthemen und erstaunlich viel um die Frage, wie Menschen überhaupt lernen, sich verändern und mit den Herausforderungen einer immer komplexeren Welt umgehen.

Immer wieder entsteht der Eindruck, dass Grundl weniger fertige Antworten liefern möchte, sondern Denkanstöße. Gedanken, die die Zuhörenden auch nach dem Ende der Episode noch beschäftigen.

Warum persönliches Wachstum nie aufhört

Obwohl Boris Grundl heute auf mehr als zwei Jahrzehnte Selbstständigkeit, zahlreiche Bücher, tausende Vorträge und hunderte begleitete Unternehmensentwicklungen zurückblicken kann, beschreibt er sich selbst nicht als jemanden, der irgendwann angekommen ist. Im Gegenteil. Er erzählt, dass ihn Stillstand fast mehr belastet als Unsicherheit. Sobald er ein Thema verstanden habe, beginne für ihn bereits die Suche nach der nächsten Entwicklungsmöglichkeit.

Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Gespräch. Erfolg versteht er nicht als Ziel, sondern als Momentaufnahme. Entscheidend sei vielmehr die Bereitschaft, sich immer wieder selbst infrage zu stellen und weiter zu lernen. Genau deshalb sagt er an einer Stelle: „Ich muss weiter wachsen.“ Dieser Satz wirkt zunächst schlicht, beschreibt aber sehr treffend seine gesamte unternehmerische Haltung.

Das eigentliche Problem liegt nicht im Außen

Ein Schwerpunkt der Episode ist die Frage, warum viele Menschen heute trotz unzähliger Möglichkeiten das Gefühl haben, ständig überfordert zu sein. Grundl spricht dabei von einem „veralteten Betriebssystem“. Gemeint ist damit nicht unser Gehirn im biologischen Sinn, sondern die Art und Weise, wie wir gelernt haben zu denken.

Besonders kritisch sieht er die weit verbreitete Vorstellung, man müsse sich zunächst gut fühlen, bevor man handeln könne. Aus seiner Sicht ist genau dieses Denken zu einem Problem geworden. Statt auf Motivation zu warten, müsse man ins Handeln kommen. Erst daraus entstehe das gute Gefühl.

„Die Wahrheit ist, du tust und dann fühlst du dich gut.“

Gerade im unternehmerischen Alltag hält er diese Unterscheidung für entscheidend. Führung bedeute nicht, auf den perfekten Moment zu warten oder darauf, dass sich alle motiviert fühlen. Führung bedeute, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und durch konsequentes Handeln Erfahrungen zu sammeln. Motivation sei häufig das Ergebnis und nicht die Voraussetzung.

Wahrhaftigkeit statt Perfektion

Besonders persönlich wird das Gespräch, als Boris Grundl über die eigenen Antreiber spricht. Sehr offen beschreibt er das Gefühl, lange Zeit nicht gut genug zu sein. Rückblickend erkennt er darin einen wichtigen Motor seiner Karriere. Gleichzeitig macht er deutlich, dass genau dieser innere Druck irgendwann zur Belastung werden kann, wenn man ihn nicht versteht und bearbeitet.

Aus dieser Erfahrung heraus entwickelt sich einer der wichtigsten Gedanken der gesamten Episode. Statt ständig zu versuchen, ein guter oder perfekter Mensch zu sein, plädiert Grundl für etwas anderes.

„Bitte kein guter Mensch mehr sein wollen. Aufhören ab sofort. Wahrhaftig sein.“

Für ihn bedeutet Wahrhaftigkeit, die eigenen Ängste, Zweifel und Unsicherheiten nicht zu verdrängen oder hinter einer perfekten Fassade zu verstecken. Erst wenn Menschen ehrlich mit sich selbst umgehen, können sie sich tatsächlich weiterentwickeln. Diese Haltung überträgt er auch auf moderne Führung. Mitarbeitende erwarten keine unfehlbaren Vorgesetzten. Sie wünschen sich Menschen, die Orientierung geben und gleichzeitig authentisch bleiben.

Warum sich seine Haltung zu Social Media komplett verändert hat

Ein besonders spannender Teil des Gesprächs dreht sich um Boris Grundls eigene Entwicklung im Umgang mit Social Media. Viele Jahre war er ausschließlich offline präsent. Seine Bekanntheit entstand durch Bücher, Vorträge und Seminare. Digitale Plattformen spielten dagegen kaum eine Rolle. Das lag vor allem daran, dass ihm viele Formen der Selbstdarstellung fremd waren.

Heute sieht er das differenzierter. Nicht, weil er Trends hinterherlaufen möchte, sondern weil sich sein Blick auf die Möglichkeiten verändert hat. Er erkannte, dass sich Wissen heute auf ganz andere Weise weitergeben lässt als noch vor einigen Jahren. Aus dieser Erkenntnis entstand die Entscheidung, hochwertige Inhalte für YouTube und andere Plattformen zu produzieren und dort gezielt Menschen anzusprechen, die sich ernsthaft mit persönlicher Entwicklung beschäftigen möchten.

Bemerkenswert ist dabei, dass Reichweite für ihn nicht das eigentliche Ziel ist. Viel wichtiger ist die Qualität der Inhalte und die Möglichkeit, Gedanken dauerhaft zugänglich zu machen. Er beschreibt diesen Schritt nicht als Marketingmaßnahme, sondern als Konsequenz seines eigenen Anspruchs, Wissen weiterzugeben.

Fazit

Die Update-Folge mit Boris Grundl ist weit mehr als ein Rückblick auf die vergangenen Jahre. Sie ist eine intensive Auseinandersetzung mit persönlicher Entwicklung, moderner Führung und der Frage, wie Menschen auch nach vielen Jahren beruflicher Erfahrung weiter wachsen können.

Christian Henrici gelingt es dabei, immer wieder nachzufragen und Grundl zum Nachdenken anzuregen. Dadurch entsteht kein klassisches Interview, sondern ein Gespräch, das viele philosophische Gedanken mit konkreten Erfahrungen aus dem Unternehmeralltag verbindet.

Wer sich für Führung interessiert, wird in dieser Episode keine Checklisten oder Patentrezepte finden. Dafür aber zahlreiche Impulse, die den eigenen Blick auf Verantwortung, Veränderung und persönliche Entwicklung nachhaltig verändern können.

 

Cookie Consent mit Real Cookie Banner